Zertifikate als Karriereturbo: Wie das B2-Niveau ausländischen Fachkräften nützt

Zertifikate als Karriereturbo
 

Zertifikate als Karriereturbo

Wer in Deutschland Arbeit sucht, kommt bei dieser Gelegenheit kaum am Thema Sprachnachweis vorbei. Arbeitgeber, Berufskammern und Anerkennungsstellen verlangen einen amtlichen Nachweis der Deutschkenntnisse. B2 ist dabei die Schwelle, ab der berufliche Kommunikation ohne weiteres für selbständig möglich gehalten wird. Für Fachkräfte aus dem Ausland heißt das konkret: Erst mit einem entsprechenden Zertifikat sind viele regulierte Berufe zugänglich. Aber selbst in den nicht regulierten Branchen hilft ein nachweisbares Sprachlevel beim Berufseinstieg ungemein.

Gemäß dem Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen

In Europa wird die Sprachbeherrschung nach dem Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen (GER) in sechs Stufen von A1 bis C2 eingeordnet. Die B2-Stufe liegt zwischen A1 und C2, also im oberen Bereich der Mittelstufe, und wird definiert als selbständige Sprachverwendung. Menschen auf diesem Niveau verstehen die Hauptinhalte komplexer Texte zu konkreten und abstrakten Themen, können sich spontan und fließend verständigen und ein breites Themenspektrum klar und detailliert darstellen.

Geprüft werden in der Deutschprüfung B2 in der Regel die vier Fertigkeiten Lesen, Hören, Schreiben und Sprechen. Die Bewertung erfolgt nach einheitlichen Maßstäben, zu denen vor allem Wortschatzumfang, grammatische Korrektheit, Diskurskompetenz und Aussprache zählen. Für viele Behörden und Arbeitgeber gilt B2 als Mindestniveau für eine eigenverantwortliche Berufstätigkeit, etwa in berufsbildenden Tätigkeiten mit Kundenkontakt, in dokumentationspflichtigen Berufen oder in Berufen mit Verantwortung gegenüber Dritten.

Anbieter und Prüfungsformate im Vergleich

Auf dem deutschen Markt haben sich verschiedene Anbieter etabliert, deren Zertifikate von den Anerkennungsstellen akzeptiert werden: vom Goethe-Institut, der telc gGmbH oder ähnlichen Auslegungen wie dem Österreichischen Sprachdiplom (ÖSD) oder dem TestDaF. Alle genannten Zertifikate sind grundsätzlich unbefristet gültig, einige Arbeitgeber oder Behörden verlangen aber ein Ausstellungsdatum von nicht älter als zwei Jahren, z.B. im medizinischen Bereich.

Branchenspezifische Sprachanforderungen in Deutschland

Welche Niveaustufe im Einzelnen erforderlich ist, regeln die einschlägigen gesetzlichen Bestimmungen und branchenspezifischen Vorgaben. In den Gesundheitsfachberufen, z.B. in der Pflege, ist in den meisten Bundesländern B2 in Verbindung mit einer sogenannten Fachsprachprüfung Voraussetzung für die Erteilung einer Berufserlaubnis.

Für die ärztliche Approbation verlangen die Landesärztekammern in der Regel B2 als Allgemeinsprache und eine bestandene Fachsprachprüfung auf Niveau C1.

In technischen Berufen, im Handwerk und in der Industrie gilt B2 vielerorts als praktische Untergrenze für die Sicherheitsunterweisungen und die Kommunikation im Team, auch wenn das nicht in jedem Fall gesetzlich vorgeschrieben ist.

An Hochschulen entscheidet die Studien- und Prüfungsordnung, ob das Bestehen eines Goethe-Zertifikats, des TestDaF oder der Deutschen Sprachprüfung für den Hochschulzugang (DSH) anerkannt wird. Für Ausbildungsplätze verlangen immer mehr Betriebe auch B2, weil Berufsschulen einen solchen Sprachniveau verlangen.

Sprachzertifikate strategisch nutzen

Ein bestandenes B2 Zertifikat ist nützlich für weit mehr als nur den Zugang zu einer Stelle. Es ist eine gute Verhandlungsbasis für Gehaltsgespräche, erleichtert den Wechsel zwischen Bundesländern und hilft bei der Beantragung einer Niederlassungserlaubnis nach dem Aufenthaltsgesetz.

Wer den nächsten Karriereschritt plant, ist gut beraten, seinen aktuellen Sprachstand frühzeitig mit einem Einstufungstest überprüfen zu lassen, realistisch auf die verbleibenden Wochen bis zur Prüfung zu planen und das Prüfungsformat zu wählen, das für die angestrebte Tätigkeit passend ist. Eine Beratung durch anerkannte Sprachschulen, Anerkennungsstellen oder die örtliche Industrie- und Handelskammer kann zusätzlich helfen, individuelle Anforderungen abzuklären und das richtige Zertifikat auszuwählen. Jemand, der auf Dauer in akademischen oder leitenden Berufen arbeiten möchte, sollte das B2 Zertifikat als Zwischenstation ansehen und frühzeitig an die Weiterentwicklung in Richtung C1 denken.